Review “Der Bohlenweg” von Dieter Bohlen

Weiter geht’s mit Motivationsliteratur. Nachdem ich euch schon mit Reviews der Biografien von Richard Branson und Gene Simmons gelockt habe, heute mal ein Buch aus heimischen Gefilden.

Warum gerade Dieter Bohlen?

“Puh”, höre ich Einige sagen, “von diesem soll ich auch noch ein Buch lesen oder sogar kaufen?

Klaro, bei uns Dieter scheiden sich die Geister: die einen halten ihn für den Überproleten schlechthin, die anderen würden es nie öffentlich zugeben, dass Sie seine Sendungen schauen, seine Musik hören und ihn sogar ein klein wenig für seinen Erfolg beneiden.

Eins muss man Dieter Bohlen lassen: seine fast schon schmerzhafte Ehrlichkeit, wenn er seine Meinung bekundet. Das wird nie langeweilig.

Alles andere als langweilig ist auch sein Buch “Der Bohlenweg – Planieren statt sanieren”, obwohl man es vorrangig als Businessratgeber einstufen könnte.

Businessratgeber?

Ja. Was viele nicht wissen, ist, dass der Mann mit dem Teint, ein BWL-Studium nicht nur anfing sondern auch erfolgreich abschloss. “Abschliessen”, “in die Tat umsetzen”, “fertigmachen” ist sein Mantra, das ihn von den reinen Verbalakrobaten unterscheidet.

“Das Entscheidende ist, eine Idee zu haben und sie gegen alle Widerstände durchzupauken”

Das Klein-Dieter alles andere als prädestiniert war, um ein Poptitan zu werden, erfahren wir in Kapitel zwei: keine musikalische Frühereziehung sondern die Aussicht auf die Übernahme der väterlichen Straßenbaufirma. Keiner hat auf ihn und seine Musik gewartet, im Gegenteil.

Das was er den DSDS-Kandidaten heute an den Kopf wirft, hat er in seiner Frühzeit selbst oft genug gehört und trotzdem oder gerade deshalb weitergemacht. Um seine Idee gegen alle Widerstände durchzusetzen, braucht es vorallem eins:

A R B E I T

So, an dieser Stelle könnte man das Buch schon zur Seite legen, da alles gesagt ist. Wir würden aber noch Etliches an gutem Spruchmaterial verpassen und z.B. nie erfahren, warum es besser ist in einer kleinen Wohnung als in einer großen Villa zu wohnen.

Äußerst lehrreich sind auch seine Exkursionen in den Umgang mit Geld. Pleiten und / oder Privatinsolvenzen wie bei Matthias Reim, Roy Black und Drafi Deutscher: kann Dieter nicht passieren. Weniger ausgeben als man einnimmt und sich von vornherein klarmachen, dass dem Onkel vom Finanzamt die Hälfte aller Einnahmen gehört. Nix Brutto gleich Netto!

Auch warnt er uns vor windigen Finanzberatern, die natürlich erst dann auftauchen, wenn es Geld zum Anlegen gibt. Warum das wohl so ist?

Wie ein roter Faden zieht sich das Motto, das Kontrolle besser als Vertrauen ist. Auch, dass Fallen keine Schande ist, so lange man wieder aufsteht, gehört zu den Weisheiten mit denen uns Herr Bohlen beglückt.

Was mir am meisten imponiert, ist dass Onkel Dieter einen nicht mit seinen Erfolgen zuschmarrt (1000 mal Platin oder so) sondern hauptsächlich die Erlebnisse schildert bei denen er richtig ins Klo gegriffen hat: Knebelvertrag, Hauskauf (Schrottimmobilie) und auch den Raubüberfall lässt er nicht aus.

Fazit

Klar ersetzt sein Buch kein Studium an der Harvard Business School, aber wenn jemand wie Dieter Bohlen, der es augenscheinlich “geschafft hat” (TM) aus dem Nähkästchen plaudert werde ich hellhörig.

Oft sind es einfachste Regeln (“immer etwas auf die hohe Kante legen”) deren konsequente Anwendung den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg machen. Und egal wie man zu ihm steht: “Konsequent” könnte sein zweiter Vorname sein.

Review “Losing my Virginity” von Richard Branson

 

Wer ist der Autor?

Richard Branson: es gibt fast nichts, was dieser Mann nicht erreicht hätte.

Eine eigene Insel in der Karibik, den Ritterschlag, Überquerung des Atlantiks und des Pazifiks im Heißluftballon. Und dann wäre da noch eine kleine Frima namens Virgin mit schlappen 40+ Tochterfirmen. Erwähnte ich schon, dass Virgin Galactic auch ins Weltall fliegt?

Was will der Mann noch alles tun?

Das Buch

Was ihn antreibt, erfahren wir in einem Paperback mit 570 Seiten netto. Unterbrochen von ca. 60 Bildseiten. Das alles für den überschaubaren Preis von € 13,-.

Der Aufbau

Da es sich um eine Autobiographie handelt ist der Aufbau chronologisch. Richard Branson erzählt in einem jovialem Stil von den Anfängen, wie er aufwuchs, seine erste Schülerzeitung (trotz Dyslexie!) startete und mit seinem ersten Plattengeschäft mit dem Gesetzt in Konflikt kam.

Dann produzierte er mit Mike Oldfield dessen Tubular Bells und landete damit einen Riesenerfolg. Danach konnte ihn nichts mehr stoppen, egal was er anfasste wurde zu Gold: die Fluglinie Virgin Airlines, Bahnfahrten mit Virgin Trains, Telefonie von Virgin Mobile; kaum eine Branche, in die er nicht reingeschnuppert hat, um signifikante Verbesserungen der Dienstleistungen herbeizuführen. Diese Umtriebigkeit machten ihn dann im Laufe der Jahre zum Milliardär.

Er wird jedoch nicht müde, sein Geld in wegweisende Projekte wie die Virgin Earth Challenge zur Reduktion von Treibhausgasen und in die HIV-Prävention zu stecken.
Was sind die wichtigsten Weisheiten?

Screw it, let’s do it! – dies ist das wohl wichtigste Motto des Ballonfahrers Branson. Fast könnte man meinen, je waghalsiger eine Unternehmung anmutet, desto interessanter wird sie für ihn. Das ihn z.B. seine Ballonfahrten fast das Leben kosteten, hält ihn nicht davon ab, immer neue Risiken einzugehen.

Unternehmertum auf die Spitze getrieben. Das Gründen ist seine Leidenschaft, neue Geschäftsfelder zu erobern sein Lebenselixier.

Fazit

Wer dieses Buch liest, kann recht schnell Minderwertigkeitskomplexe bekommen. Was dieser Mann allein in seinem Leben alles reißt, dass grenzt schon an Wahnsinn. Und wer denkt, dass so viel Erfolg nur durch arschlochhaftes Benehmen zu bewerkstelligen sei, wird hier eines Besseren belehrt. Bodenständig, uneitel, fast etwas schüchtern schildert Branson seine Abenteuer. Ein Typ mit dem man gerne mal im Pub ein paar Bierchen wegzischen möchte.

Review “Sex, Money, Kiss” von Gene Simmons

Wer ist der Autor?

Gene Simmons ist der Bassist und Gründer der Band Kiss, mit der er zwanzig Studioalben, 6 Live-Alben und unzählige Compilations veröffentlicht hat.

Zudem hat er zwei Solo-Platten rausgebracht und in 11 Filmen mitgespielt.

In den 70er-Jahren war er mit Cher und Diana Ross zusammen, heiratete dann das Model Shannon Tweed, und machte es wie Ozzy Osbourne und schenkte uns eine Reality-Doku-Soap namens Gene Simmons Family Jewels
Das Buch

Wenn jemand wie Gene Simmons ein Buch schreibt erwartet man eigentlich den puren Sex, Drugs, RocknRoll-Abriss.

Aber nicht hier: das Buch hätte auch nur Money heißen können, denn bis auf ein paar Bonmots zu den Beziehungen zwischen Männern und Frauen geht es hier fast nur um den schnöden Mammon.

Zitat: “Pennys sind alles. Je mehr Pennys Sie haben, desto mehr Dollar haben Sie”

Was sind die wichtigsten Konzepte?

Der rote Faden dieses Buches ist das generieren von Geschäftsideen. Hemmungslos frönt Simmons dem Kapitalismus, “umsonst” ist nicht. Egal wo er seine Hände dran hat, muss Geld sprudeln.

Er erzählt uns, wie er seinen ersten Comic zeichnet und unters Volk bringt, seine ersten Demo-Tapes an Plattenfirmen schickt, seine eigene Zeitschrift gründet und seinen Signature-Bass designt. Bei all diesen Aktionen steht für ihn Cash im Vordergrund, nicht umsonst ist sein privates Logo ein Geldsack mit Dollarsymbol.

Zitat “Eine kluge Finanzplanung bedeutet, dass die Ausgaben stets geringer sein sollten als die Einnahmen”

Gerade in Gelddingen ersetzt dieses Buch mit seinen Tips so manchen Business-Ratgeber. Das Beste daran, sie stammen von einem Musiker der kommerziellen Erfolg hat.

Zitat: “Ich entschied mich für einen ganz bestimmten Lebensstil: harte Arbeit, keine Drogen oder Alkohol und keine Ehe. Mir ist das gut bekommen”

Ok, seit 2011 stimmt das mit der Ehe nicht mehr, aber sein Arbeitsethos muss hier herausgestellt werden, er will nichts geschenkt haben, sondern es sich erarbeiten.

Fazit

Man erfährt nebenbei auch etwas über die Entstehungsgeschichte von Kiss, aber der eigentliche Mittelpunkt in diesem Buch ist Gene Simmons und seine Geschäftstüchtigkeit.

Die Bonmots auf fast jeder zweiten Seite ersetzen gut und gerne einen Sprüchekalender, allein deshalb ist das Buch sein Geld wert.

Wenn ihr also mehr über die Indy Racing League, Eichhörnchen und schwarzes Toilettenpapier erfahren wollt, kauft dieses Buch.

Gene würde noch ergänzen: “Natürlich über den Amazon-Link unter diesem Beitrag, damit der Jörn auch ein paar Pennys abbekommt”

15 Schritte für ein erfolgreiches Bootstrapping – Teil 1

Bootstrapping – was ist das?
Leider gibt es noch keinen Wikipedia-Artikel zum Thema Bootstrapping bezogen auf Gründungen. Deshalb hier der Versuch einer Definition:

„Bootstrapping ist eine Finanzierungsstrategie für eine Gründung, die idealerweise ohne externes Kapital auskommt und durch Vermeidung von Ausgaben und Reinvestition der Einnahmen zu einem Wachstum der Unternehmung führt“.

Vereinfacht gesagt: Gebt nur Geld für euer Geschäft aus, dass euer Geschäft auch eingebracht hat. Wie Baron Münchhausen zieht man sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf.

Wenn ständig Geld in eure Unternehmung gesteckt werden muss, lauft ihr Gefahr, dass ihr nur ein Hobby vorantreibt, aber keine solide Geschäftsidee entwickelt habt. Vorteile dieser Gründungsfinanzierung ist das äußerst geringe finanzielle Risiko und bei Geschäftserfolg das Gefühl, es ohne die Brieftasche eurer Eltern geschafft zu haben.

Die Nachteile sollen allerdings auch nicht verschwiegen werden. Wer eine Idee hat, die nur funktioniert, wenn in kürzester Zeit der gesamte Markt durchdrungen wird, 1000 Mitarbeiter eingestellt und High-Tech-Produktionsanlagen beschafft werden, für den ist Bootstrapping sicherlich nicht das richtige Konzept.

So, jetzt aber zu den einzelnen Schritten:

Go live! – Der erste Kunde zählt
Grau ist alle Theorie, bzw. der Businessplan. Der erste Kunde, der bereit ist, für eure Dienstleistung / euer Produkt sein Geld auszugeben, gibt den Ausschlag: lohnt es sich weiter an eurer Idee festzuhalten oder müsst ihr euer Konzept nochmal überdenken?

Viele Gründer schreiben einen gigantischen Businessplan mit dem sich jeder Wettbewerb gewinnen ließe und haben noch nie einen einzigen Artikel über ebay verkauft. Was soll das?

Ihr müsst weg vom Schreibtisch und raus zum Kunden und seinen Problemen. Eure Idee muss Kundennutzen stiften und keine Preise gewinnen! Hausaufgabe bis zum nächsten Teil: Verkauft ein Produkt / eine Stunde eurer Dienstleistung. Aber Achtung: Freunde und Familienmitglieder zählen nicht. Die Gefahr des Mitleids ist viel zu groß.

Nebenberuflich gründen
Da die Chance gering ist, dass ihr eure Leistung sofort an den Mann / die Frau bringen könnt, solltet ihr nicht gleich euren bisherigen Job an den Nagel hängen.

Bootstrapping bedeutet nicht auf der grünen Wiese eine Fabrik aus dem Boden zu stampfen und ab sofort 120h die Woche zu buckeln, sondern Geschäftsideen auf Praktikabilität und Profitabilität zu testen.

Samstag war früher auch mal ein regulärer Arbeitstag und da eure Geschäftsidee ja auch vor allem Spass bringen soll, könnt ihr auch am Wochenende abchecken was geht.