Was ist los in Deutschland

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen nichts über Corona / Covid19 zu schreiben, weil ich weder Virologe, Epidemiologe oder Politiker bin.

Da mich die aktuelle Situation in Deutschland belastet und ich das irgendwie kanalisieren muss, schreibe ich meine Gedanken trotzdem nieder.

Normalerweise schreibe ich meine Artikel auf Englisch. Da sich aber alles hier auf die spezielle Situation in Deutschland bezieht und der Adressaten-Kreis zu größten Teilen Deutsch spricht, heute mal auf Deutsch.

Am leichtesten fällt es mir, auf konkrete Fragestellungen einzugehen, da kommt der Ausbilder in mir durch.

Ursprünglich wollte ich dieses Artikel “50 shades of Schwurbel” nennen, aber mit Polemik kommen wir nicht weiter und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass viele Menschen einfach nur unsicher, schlecht oder gar falsch informiert sind.

Irgendwo habe ich gelesen, dass sich die Regierung bei der Umstellung der Postleitzahlen in den 90ern mehr Mühe gegeben hat, das neue Konzept zu kommunizieren, als beim Aufruf zur Impfung. (“Hier kommt Rolf”, “Fünf ist Trümpf”) Ein eigenes Maskottchen, großangelegte Marketingkampagne. Bei Impfung Fehlanzeige.

Ich hätte gerne mindestens einen Flyer im Briefkasten gehabt, der mir erklärt, warum Impfen gut und nützlich ist. Vielleicht auch mehrsprachig um wirklich möglichst viele Menschen zu erreichen.

Was wir bekommen haben sind Flugblätter der Misinformanten, regelrechte Misinformationskampagnen wurden gestartet:

https://correctiv.org/faktencheck/hintergrund/2020/12/18/flyer-maschinerie-corona-gegner-freiheitsboten-desinformation/

Aber nun mal rin in die Kartoffeln

Grundlagen

Um sich über die aktuelle Lage zu informieren empfehle ich das Dashboard des RKI

https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4

Hier kann man zwei Dinge gut erkennen:

Erstens die Situation ist außer Kontrolle.

Zweitens es ist nicht überall gleich schlimm.

Aber dazu später mehr

Gibt es überhaupt Corona?

Diese Frage, bzw. die Aussage es gäbe kein COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) hat man am Anfang der Pandemie oft gehört.

Letztendlich geht diese Frage aber direkt darauf zurück, ob man generell an Viren “glaubt” oder bereit ist sich mit wissenschaftlichen Prinzipien auseinanderzusetzen. Man kann gerne glauben, dass es keine Viren gibt, sie existieren trotzdem. Wenn man an jemanden gerät, der die Existenz von Viren leugnet, kann man die Diskussion abkürzen. Hopfen und Malz verloren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Viren#Erforschungsgeschichte

Es gibt tatsächlich auch nicht das eine Coronavirus sondern eine Vielzahl von Virusvarianten oder auch Mutanten. Man kann sich das wie einen Familienstammbaum vorstellen. https://www.netdoktor.de/krankheiten/covid-19/coronavirus-mutationen/

Das was uns in Deutschland 2020 heimgesucht hat, war der sogenannte Wildtyp, dann dominierten ab November 2020 Alpha (B.1.1.7) und Delta (B.1.617.2) seit Mitte 2021. Die neue Corona-Variante B.1.1.529 heißt Omikron.

Diese Variation unterscheiden sich hauptsächlich in zwei Punkten:

Wie ansteckend sind sie?

Virus-Variante Basisreproduktionszahl R0
Ursprungsvirus 1,9 – 2,6
Alpha-Variante (B.1.1.7 – erstmals in Großbritannien nachgewiesen) 3 – 4
Delta-Variante (B.1.671 – erstmals in Indien nachgewiesen) 5 – 6

https://www.science.lu/de/faktencheck-indische-variante/covid-19-was-wissen-wir-ueber-die-delta-variante

Oder etwas vereinfachter ausgedrückt

Ein Infizierter mit der Delta-Variante steckt also im Schnitt deutlich mehr Menschen an – ohne Impfung und ohne Maßnahmen sechs bis sieben Menschen (Basisreproduktionszahl R0). Beim Ursprungsvirus waren es noch 2,5.

https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/corona-wie-gefaehrlich-sind-die-neuen-mutationen/

Wie tödlich sind sie?

Hier mal ein guter Überblick

Quelle der Grafik : https://twitter.com/maewald/status/1418292777952157697

Hier sieht man auch gut, dass Delta sowohl ansteckender als auch tödlicher ist.

Die Omikron-Variante

Da das alles noch recht frisch ist, gibt es noch nicht all zu viele Daten, was eine Bewertung erschwert. Soviel sei aber gesagt: die Anzahl der Mutationen am Spike-Protein sind höher als bei den Varianten zuvor 🙁

Martin Moder erklärt das ganz gut hier

https://www.derstandard.de/story/2000131454366/wie-gefaehrlich-ist-die-neue-variante-b-1-1529

Die Leute sterben mit aber nicht an Corona!

Auch das hat man am Anfang der Pandemie in 2020 oft gehört.

Und die Unterscheidung ob mit oder an Corona ist auch nicht trivial, da niemand direkt an Corona stirbt, sondern an den Auswirkungen.

Deswegen trifft es Menschen mit Vorerkrankungen auch öfter und härter bei einer Covid19 Infektion.

Beispiel: Man stirbt auch nicht an einem Autounfall, sondern an den Folgen eines Aufpralls auf ein Hindernis. Oft ist es der Blutverlust durch innere Blutungen oder ein Schädelhirntrauma. Ob man jetzt hier Vorerkrankungen hatte wie bspw. Gerinnungsstörungen, Glasknochen, vorbelastete Organe ist nebensächlich, weil man ohne den Aufprall mit hoher Wahrscheinlichkeit noch leben würde.

Und nein, corona-positive Autofahrer, die bei einem Unfall sterben, gehen nicht als Corona-Tote in die Statistik ein.

https://faktencheck.afp.com/corona-positive-opfer-eines-autounfalls-zaehlen-nicht-automatisch-als-corona-tote

Ich lasse mich nicht impfen weil…

Ich habe ein gutes Immunsystem!

Schön. Das ist auch eine gute Sache, könnte aber bei Corona nach hinten losgehen.

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wissen/mensch/2121464-Ein-gutes-Immunsystem-tut-bei-Covid-oft-zu-viel.html

Problematisch an der Aussage ist auch, dass ich als Laie gar nicht einschätzen kann, was ein gutes Immunsystem ist und ob ich ein solches habe.

Der Impfstoff wurde zu schnell zugelassen / nicht ausreichend getestet.

Vereinfachend kann man sagen: je stärker ich mich auf etwas konzentriere, desto schneller komme ich voran. Wenn ich zum Beispiel einen Umzug plane, hängt die Dauer des Umzugs davon ab, wie viele Umzugshelfer ich habe, ob ich gute Transportkisten habe und mir einen Transporter miete. Wenn ich alles allein in alten Schuhkartons in meinem Ford Fiesta durch die Gegend kutschiere wird es definitiv länger dauern, als wenn ich ein Umzugsunternehmen beauftrage.

Im Fall der Corona-Impfstoffentwicklung wurde enorm viel Geld und Ressourcen darauf abgestellt. Zusätzlich hilfreich, war das SARS-COV2 kein komplette neues Virus ist und schon an ähnlichen Viren geforscht wurde.

Eine Portion Glück gehörte interessanterweise aber auch dazu:

Mit Sars-CoV-2 hatte die Forschung Glück, so seltsam es klingt: Es ist ein Virus, das relativ langsam mutiert und zufällig zu einer gut untersuchten Familie gehört.

Quelle: https://www.spektrum.de/news/covid-19-impfung-hoffnung-fuer-impfstoff-entwicklung-der-zukunft/1817690

 

Ich möchte noch Kinder haben. Die Impfung macht mich steril

tl;dr; Wenn eine Impfung unfruchtbar machen würde, würde es eine Infektion mit Corona auch tun.

Ich verweise wieder auf Martin Moder, der erklärt das sehr gut

Die Nebenwirkungen der Impfung sind schlimmer als die Gefahr bei Ansteckung

Es kommt darauf an: seid ihr ein Einsiedler in den Bergen Nepals und habt nullkommanull Kontakt zu anderen Menschen, dann ist eine Impfung statistisch gesehen gefährlicher. Aber: wir leben in einem dicht-besiedelten Land, langfristig wird jeder mindestens einmal mit dem Corona-Virus in Kontakt kommen. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit für einen persönlich ist, kann man hier berechnen:

https://covid-o-mat.de/

Sind Impfungen gefährlich?

Bei AstraZeneca beispielsweise kam es bei über 4 Millionen verabreichten Impfdosen zu 59 Fällen von Hirnvenenthrombosen. Das sind 0,0014% der Fälle.

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/123186/Bisher-59-Faelle-von-Hirnthrombosen-nach-Astrazeneca-Impfung

Das ist statistisch betrachtet sehr wenig, lässt sich nicht wegdiskutieren.

Das große Aber: Was passiert, wenn ich mich anstecke?

Vier Dinge können passieren:

  1. keine Symptome, ich bemerke die Infektion nicht
  2. Symptome irgendwo zwischen Schnupfen und Grippe, die nach einer Zeit verschwinden
  3. Schwerer Verlauf mit
    1.  Einweisung in ein Krankenhaus
    2. Tod
  4. Long-Covid / Post-Covid

https://www.gesundheitsinformation.de/wie-gefaehrlich-ist-covid-19.html

Was genau passiert hängt vom Alter, von der genetischen Veranlagung und vom allgemeinen Gesundheitszustand ab.

In meiner Altersklasse 35 – 59 Jahre habe ich ungeimpft ein Risiko von ca. 0,35 % an Corona zu sterben. Das ist das 250-fache Risiko im Gegensatz zu einer Impfung mit AstraZeneca!

Die Langzeitfolgen sind noch nicht bekannt

Doch. Es gibt bei Impfungen keine Langzeitfolgen.

Laienhaft erklärt: Während die dauerhafte Einnahme von Medikamenten gefährlich werden kann und Organe belastet (Aspirin führt bei dauerhafter Einnahme zu Magenblutungen), bauen sich Impfstoffe in kurzer Zeit ab.

Mann kann sich das wie den Sparring-Partner beim Boxen vorstellen.

Unser Immunsystem ist der Boxer, der trainiert. Zur besseren Vorbereitung mache ich Übungskämpfe mit meinem Sparring-Partner oder Trainer. Der verlässt aber irgendwann den Ring. Jetzt ist der Boxer auf den Kampf vorbereitet. Merkt euch dieses Bild, ich ziehe es nachher wieder aus dem Hut.

Martin Moder erklärt das auch wieder gut:

Ich warte lieber auf einen Totimpfstoff

Alle bisher in Deutschland zugelassenen Covid-Impfstoffe sind Totimpfstoffe – sowohl jene auf Basis von mRNA (Biontech, Moderna) als auch Vektorkonstrukten (AstraZeneca, Johnson&Johnson). Es gibt also keinen Grund zu warten. Im Gegenteil: Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich und sein Umfeld zu schützen.

2022 sollen Totimpfstoffe auf Basis von Protein-Schnipseln, sogenannte Peptidimpfstoffe das Impfstoff-Angebot erweitern. Dies ist eine sehr gute Nachricht, aber kein Grund, heute einen Impfstoff abzulehnen, der ebenso gut ist.

Quelle https://www.muenchen-klinik.de/covid-19/faktencheck/

Es gibt doch keine Übersterblichkeit

Das Problem mit der Übersterblichkeit ist, dass alle Todesfälle summiert werden. Das bedeutet aber auch, dass die Effekte eines Lockdowns vielfach in die Betrachtung eingehen: weniger Verkehrsunfälle, weniger Arbeitsunfälle, etc

Die Sterblichkeit in Deutschland schwankt  jährlich massiv um einige zehntausend.  In den Berechnungen der Sterblichkeit liegt leider auch die Grippewelle 2017/2018, die hier stark das Bild verzerrt.

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/106375/Grippewelle-war-toedlichste-in-30-Jahren

https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/Gesellschaft/bevoelkerung-sterbefaelle.html

There is no glory in prevention!

Die Intensivstation sind aber nicht voll

Ok, das kann für viele Landkreise noch stimmen, aber viele Kliniken fangen an Patienten in weit entfernte Kliniken zu transportieren.

Warum schafft man nicht mehr Kapazitäten auf den Intensivstationen?

Erstes weil es sehr lange dauert Personal auszubilden und zweitens weil die Intensivstation die letzte Bastion ist.

Quelle: https://twitter.com/ECMOKaragianni1/status/1422125003944992772?s=20

Derzeit liegt die Chance aus der Intensivstation lebend wieder herauszukommen bei nur knapp mehr als 50%.

Das ist kein Spaziergang. Die Medikamente die dort verabreicht werden, um einen am Leben zu halten haben viel größere Nebenwirkungen als Impfstoffe.

Und eventuell ist man auch nicht mehr in dem Zustand, den Beipackzettel zu lesen.

Ein etwas stark vereinfachter Vergleich:

Die wenigsten wissen exakt, was in ihrer Zahnpasta drin ist. Trotzdem käme keiner auf die Idee, die Abschaffung von Zahnpasta zu fordern und das mit mehr Zahnarztpraxen zu kompensieren.

Auf der Intensivstation liegen fast genauso viele Geimpfte wie Ungeimpfte!

Und das ist auch gut so. Häh, was?

Ja, denn wenn 100% der Menschen geimpft wären, würden auch 100% der Intensivpatienten mit Corona Geimpfte sein. Aber das wären in Summe deutlich weniger!

#Hospitalsierungsindex

Quelle: https://www.medpagetoday.com/special-reports/exclusives/93928

Die Vernachlässigung der Grundgesamtheit nennt man auch Prävalenzfehler

 

Es gibt keine Triage!

Auch wenn direkte Triage derzeit noch selten vorkommt, latente Triage passiert derzeit schon, in dem Operationen aufgeschoben werden.

Das führt nicht direkt zum Tod, aber kann wertvolle Lebenszeit kosten. Einige Kliniken im europäischen Umland führen bereits keine Chemotherapie mehr durch. Das kann auch bald in Deutschland passieren.

https://www.br.de/nachrichten/wissen/kollateralschaeden-durch-corona-latente-triage-von-patienten,SphUdKO

 

Ich bin doch zweimal geimpft. Warum muss ich mich boostern?

Holen wir das Bild mit dem Boxer wieder raus. Ein Boxer der nicht kämpft, muss trotzdem regelmäßig trainieren.

Der Impfschutz nimmt leider schon nach einigen Monaten ab.

Wie lange wirken die Impfungen?

Quelle: https://www.mdr.de/brisant/corona-impfstoff-wirksamkeit-100.html

Insbesondere der Schutz gehgen die Omikron-Variante ist bei doppelter Impfung nicht mehr wirklich gut:

Mit 2G ist doch alles Schoko-Loko!

Auch wenn Geimpfte nicht Haupttreiber der Pandemie sind, gaukelt 2G ein falsches Sicherheitsgefühl vor, da es bei der Delta-Variante trotz Impfung in bis zu 25% der Fälle zu Durchbrüchen kommen kann:

https://steadyhq.com/de/ennopark/posts/db54e58c-9cd7-43e6-9e70-141f21b27612

Geimpft vs. Ungeimpft im Kontext der Toleranz

Vielleicht sollten wir mit dieser falschen Dichotomie “geimpft vs. ungeimpft” aufhören. Dann könnte man den pauschalen Wunsch nach Toleranz auch ad acta legen.

Ich toleriere Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten, sich aber ansonsten solidarisch verhalten: Maske tragen, Abstand halten, etc. pp.

Ich toleriere nicht, wenn geimpfte ohne o.g. Vorkehrungen sich dicht an dicht ins Stadion zwängen, Karneval feiern oder zu Wetten-Dass gehen. 2G my ass

Am Ende der Diskussion steht nämlich nicht geimpft oder ungeimpft, sondern genesen, genesen mit Long-Covid oder gestorben. Ich würde gerne die erste Option nehmen.